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Eurovision Song Contest 2007 (21.05.2007)
Am Samstag, den 12. Mai, war es wieder so weit. Der Eurovision Song Contest fand in Helsinki statt. 2006 hatte ihn die finnische Band Lordi mit dem Titel "Hard Rock Hallelujah" in das Land der tausend Seen geholt. Von den ursprünglich 43 Ländern traten letztendlich nur 42 an, weil Monaco seine Teilnahme zurückzog. Italien, das seit 1998 durch Abwesenheit aufgrund von mangelnden Einschaltquoten glänzte, war auch dieses Jahr nicht dabei.
 
Am 10. Mai fand das so genannte Halbfinale statt. DJ BoBo, der für die Schweiz antrat, schied zu Recht mit seinem Titel "Vampires Are Alive" aus. Mit einer Mischung aus dem Star Wars Theme und 90er-Jahre-Pop, der irgendwie an Chipz und Banaroo erinnert, kein Wunder. Neben der Schweiz schieden auch Belgien, die Niederlande, Polen und Österreich aus. Auch der israelische Beitrag, der im Vorfeld für Kritik sorgte, konnte sich nicht durchsetzen.
 
Unter den 24 Finalteilnehmern waren somit nur noch neun westeuropäische Länder. Wobei die "vier Großen", Deutschland, England, Frankreich und Spanien, von vorne rein qualifiziert waren. Das Gleiche galt für den Vorjahresgewinner Finnland. Das Halbfinale wurde im Übrigen vom serbischen Beitrag gewonnen.
 

 
Am 12. Mai war es nun so weit. Im Prinzip war alles wie jedes Jahr. Nervige Moderatoren und dauernd diese kleinen Einspielungen zwischen den Beiträgen.
 
Nach dem ersten Beitrag kam die spanische Gruppe D'Nash – "I Love You Mi Vida". Mal davon abgesehen, dass sich das Lied verdammt nach East 17 anhörte, sahen sie auch noch so aus. Gleich im Anschluss kam der weißrussische Beitrag. Ein Mann namens Koldun und mit verblüffender Ähnlichkeit mit Ken (von Barbie), wie Peter Urban passend bemerkte, sang "Work Your Magic". Nach ein paar normalen Auftritten kam The Ark aus Schweden. Irgendwie erinnerte einen der Sänger an Tokio Hotel oder war es doch der Psychopath aus "Schweigen der Lämmer"? Zumindest lieferten sie eine guten Auftritt mit ihrem Song "The Worrying Kind" ab. Was für das Auge bot der 15. Beitrag aus Russland. Drei hübsche Mädels räkelten sich lasziv am Mikrofon und sangen unter dem Namen Serebro das gar nicht mal so schlechte Lied "Number One Song".
 
Es folgte der deutsche Beitrag. Entgegen der Erwartungen sang Roger Cicero eine Strophe des Stückes "Frauen regier'n die Welt" auf Englisch. Es war ein solider, unauffälliger Auftritt.
 
Wer behauptete, nur schöne, großbrüstige Frauen können diesen Wettbewerb gewinnen, wurde dieses Jahr eines besseren belehrt. Ein Wesen, halb Angela Merkel, halb Daniel Küblböck mit dem Namen Marija Šerifovic sang inbrünstig "Molitva". Das mag jetzt vielleicht sehr hart klingen, aber was der armen Frau mit diesem Outfit angetan wurde, war einfach grausam.
 
Was dann folgte, grenzt an die Vorstellungskraft des menschlichen Geistes. Wer sich Werka Serdjutschka – "Dancing Lasha Tumbai" doch einmal zu Gemüte führen will, sollte einfach mal bei youtube danach suchen. Der ukrainische Beitrag blieb aber im Ohr, auch wenn man das Genre als Techno-Polka beschreiben kann.
 
Startnummer 19 hatte die englische Gruppe Scooch. Ihr Titel "Flying The Flag (For You)" gehörte in die Kategorie "seelenloser Plastikpop", der einen schon beim ersten Hören langweilt.
 
Nachdem alle 24 Interpreten ihre Auftritte hatten, folgte eine gute Bühnenshow mit Apocalyptica. Im Anschluss kam es wie immer zum eigentlichen Highlight dieser Veranstaltung: der Punktevergabe. Stimmberechtigt waren alle 42 Teilnehmerländer. Die ersten 7 Punkte wurden nicht vorgetragen, sondern eingeblendet. Punkte 8, 10 und 12 wurden wie immer verlesen.
 
Am Ende stand Serbien mit 268 Punkten, gefolgt von der Ukraine mit 235 vorne. Den dritten Platz belegte Russland mit 207 Zählern. Letzter wurde Irland mit nur 5 Punkten.
 
Vorletzte wurden England und Frankreich mit je 19 Punkten. Platz 20 belegte Spanien. Deutschland wurde 19. und hat es somit wieder geschafft, bester "der großen Vier" zu sein! Bester westeuropäischer Teilnehmer war die Türkei mit 163 Punkten auf Platz 4.
 
Nun wurde Kritik laut. Die osteuropäischen Staaten würden sich gegenseitig die Punkte zuschieben und es drehe sich alle nur am Patriotismus.
 
Diese Behauptung ist bei näherer Betrachtung nicht haltbar. Werfen wir als erstes einen Blick auf "die großen Vier". Jedem realistisch denkendem Mensch war klar, dass Roger Cicero keine Chance hatte, unter die ersten 10 zu kommen. Dafür ist Swing einfach zu unpopulär, vor allem auf Deutsch. Etwas enttäuscht darf man wohl über die Stimmen aus Österreich und der Schweiz sein. Jeweils gab es nur 7 Punkte. Selbst wenn sie uns aber wie in alten Zeiten 12 Punkte gegeben hätten, wäre kein Platz unter den ersten 10 dabei herausgekommen. Nun stellt sich natürlich die Frage, inwiefern uns Monrose oder Heinz Rudolf Kunze weitergebracht hätten.
 
Die Titel der anderen Großen haben genau den Platz erreicht, den sie verdient haben. Spanien bekam interessanterweise aus Albanien die Höchstpunktzahl, aus dem Nachbarland Portugal nur 8 Zähler und keinen einzigen aus Andorra. England traf musikalisch genau den Geschmack in Malta und bekam 12 von ihren insgesamt 19 Punkten. Irland steuerte die restlichen 7 bei. Im Gegenzug gab es von England keinen einzigen Zähler für Irland.
 
Aus Deutschland kamen natürlich 12 Punkte für die Türkei. Einige Dinge werden sich wohl nie ändern. Gewinner Serbien bekam aus fünf Ländern keine und aus neun 12 Punkte. Ansonsten waren so gut wie alle Wertungsstufen vertreten, wobei die 12 aus ost- wie westeuropäischen Ländern kamen. Die 12 Zähler aus Montenegro fallen an dieser Stelle nicht ins Gewicht.
 
Punktemagnet Russland kann man eigentlich nur den "12-Punkte-Tausch" mit Weißrussland vorwerfen. Die Sowjetunion mag zwar noch den einen oder anderen Zähler gebracht haben, allerdings gab es auch hier eine gleichmäßige Verteilung von West und Ost. Die kulturellen Gemeinsamkeiten sollte man auch nicht vergessen. Russland hat einfach viele Nachbarn.
 
Es lässt sich entgegen der Kritik sogar das Fazit ziehen, dass die patriotische Punktevergabe immer weiter zurückgeht und am Ende wirklich das beste Lied gewinnt. Zudem hätte sich kaum etwas an der Platzverteilung geändert, wenn nur die 21 westeuropäischen Länder abgestimmt hätten.
 
Die Welt könnte so schön sein, doch eine riesige, tiefschwarze Wolke verdunkelt auf einen Schlag alles. Das Gewinnerlied ist ein Plagiat! Wollen wir nicht zu voreilig sein. Die Vorlage stammt von der Sängerin Soni Malaj. 2006 trat sie auf dem albanischen Musikfestival "Top Fest" auf. Vergleicht man den Titel "Ndarja" mit dem Song-Contest-Gewinnertitel, so fällt doch eine verblüffende Ähnlichkeit auf, die vor allem im Refrain deutlich wird. Außerdem sieht die Albanerin wesentlich besser aus. Dass es sich um einen Zufall handelt, ist wohl ziemlich unwahrscheinlich, da Serbien und Albanien Nachbarländer sind. Von offizieller Seite wurde sich noch nicht geäußert.
 
Falko "Frab" Rickmeyer  
 

 

 
 
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