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Ein Song mit 70.200 Samples (20.08.2008)
Der Musiker Johannes Kreidler will mit einem ungewöhnlichen Musikstück namens "Product Placement" auf Missstände im Urheberrecht aufmerksam machen. Die Verwertungsgesellschaft GEMA verlangt nämlich, dass alle Samples aus Songs, deren Urheber sie vertritt – und das ist die Mehrzahl der in Deutschland verkauften Musik –, bei ihr schriftlich angemeldet werden. Mittels eines Computerprogramms hat Kreidler einen Song von 33 Sekunden Länge geschaffen, in dem 70.200 Klangfetzen aus fremden Songs vorkommen. Diese Samples will er nun einzeln bei der GEMA anmelden und hat für jedes Sample ein Formular ausgefüllt. Die LKW-Ladung Papier, die sich daraus ergibt, will er am 12. September 2008 um 11 Uhr bei der der GEMA-Generaldirektion Berlin in der Bayreuther Straße 37 (direkt am U-Bahnhof Wittenbergplatz) einreichen. Schaulustige sind eingeladen vorbeizukommen.
 
Kreidler begründet sein Projekt wie folgt: „Die heutigen Technologien ermöglichen es, Kulturgüter in gigantischen Dimensionen zu verbreiten und kreativ weiterzuverarbeiten, leider steht dem auf rechtlicher Seite das veraltete Urheberrecht im Weg.“ Er ist der Auffassung, das Kopieren habe sich als Kulturtechnik durch die digitalen Medien zum allgemeinen Kunst- und Kommunikationsmittel entwickelt. Durch einen unsinnigen rechtlichen Schutz, der z. B. auch kürzeste Samples von Tonträgeraufnahmen umfasst, würde diesem Fortschritt nach Kreidlers Ansicht geradezu prohibitiv entgegengewirkt. Hinzu kommen antiquierte Arbeitsmethoden der GEMA, die den Künstlern einen unnötigen Verwaltungsaufwand und Papierkram bescheren und so das künstlerische Schaffen behindern.
 
Einer solchen Flut von Sample-Einsendungen für die Datenbank wäre die coverinfo.de-Redaktion nicht gewachsen. Es wird sich zeigen, wie die GEMA damit umgeht. Kreidler meint, dass die GEMA verpflichtet wäre, seine Eingaben zu bearbeiten.
 

 
Weitere Informationen:
 
Das Stück "Product Placement" kann man auf Kreidlers Website unter http://www.kreidler-net.de/productplacements.html hören.
 
In einem Video findet sich das Telefonat, in dem Kreidler einer GEMA-Sachbearbeiterin von seinem Werk berichtet hat, die mit dieser neuen Form von Kunst selbstverständlich überfordert war, ferner einige juristische Erläuterungen und eine Erklärung Kreidlers, was er mit dieser Aktion bezwecken will.
 
Thomas Wagner  
 

 

 
 
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